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Mittwoch, 5. September 2018
ich öffne die tür zum waschraum, dort steht eine junge frau über das waschbecken gebeugt und schaut mich erschrocken aus großen augen an, meine begrüßung erwidert sie nicht, sie wäscht ihre hände unter dem wasserstrahl,
ich gehe mit meinem pinsel und der seife an das zweite waschbecken daneben, und während das wasser die farbe aus dem pinsel spült, sehe ich, wie sie neben mir ihre fingerkuppen reibt, sie reagiert auf meinen blick und greift nach dem wasserhahn, dann entschließt sie sich zu einem lächeln und stellt sich den strahl wieder ein,
eine weile stehen wir so nebeneinander, gleichzeitig, in das einseifen und ausspülen vertieft
ich gehe mit meinem pinsel und der seife an das zweite waschbecken daneben, und während das wasser die farbe aus dem pinsel spült, sehe ich, wie sie neben mir ihre fingerkuppen reibt, sie reagiert auf meinen blick und greift nach dem wasserhahn, dann entschließt sie sich zu einem lächeln und stellt sich den strahl wieder ein,
eine weile stehen wir so nebeneinander, gleichzeitig, in das einseifen und ausspülen vertieft
Montag, 16. April 2018
beim sehen der katagami, japanischer papierschablonen, große freude: das ist gleichzeitig abstrakt und konkret
dasselbe habe ich am mittag gedacht, als ich den arbeiter der stadtreinigung im signalorangenen anzug beobachtet habe, der mit einer harke über die kleinen pflastersteine des gehweges gebeugt eine mischung aus grau und grün energisch hinter sich herzieht, die stelle, an der er arbeitet ist dunkel, daneben steht außer der reihe eine bank,
dort, im schattten der weggerückten bank, kratzt er aus den ritzen zwischen den steinen erde und gras
dasselbe habe ich am mittag gedacht, als ich den arbeiter der stadtreinigung im signalorangenen anzug beobachtet habe, der mit einer harke über die kleinen pflastersteine des gehweges gebeugt eine mischung aus grau und grün energisch hinter sich herzieht, die stelle, an der er arbeitet ist dunkel, daneben steht außer der reihe eine bank,
dort, im schattten der weggerückten bank, kratzt er aus den ritzen zwischen den steinen erde und gras
Mittwoch, 3. Januar 2018
Freitag, 22. Dezember 2017
Dienstag, 19. Dezember 2017
Freitag, 17. November 2017
Donnerstag, 9. November 2017
atelier, ich hole wasser am waschbecken in der damentoilette, eine frau, patientin der arbeitstherapie, die auf dieser etage ihre räume hat, kommt herein, ein handtäschchen unterm arm, aus dem sie einen kleinen kamm zieht, und vorm spiegel stehend beginnt, ihre rot gefärbten, kurzen haare zu kämmen, sie legt sehr sorgfältig eine welle aus haaren über ihre stirn und holt dann zu meiner verblüffung eine mütze aus ihrer tasche, die sie über den kopf zieht, um danach nocheinmal mit dem kamm die stirnwelle zu richten -
ich muss grinsen, weil mich diese planvolle zuwendung für die eigene äußere erscheinung rührt, und als sie das sieht, strahlt sie mich durch den spiegel an, ich versuche, ihr und mir zu sagen: ja man muss sich immer...aufbauen, so beendet sie meinen steckengebliebenen satz
ich muss grinsen, weil mich diese planvolle zuwendung für die eigene äußere erscheinung rührt, und als sie das sieht, strahlt sie mich durch den spiegel an, ich versuche, ihr und mir zu sagen: ja man muss sich immer...aufbauen, so beendet sie meinen steckengebliebenen satz
Freitag, 3. November 2017
als d. gegangen ist, steht der mond nur wenige meter über dem schwarzen elbhang, eine große, runde, gelbe scheibe
ich kann nicht sehen, dass es ein kugeliger körper ist, und ich kann nicht sehen, dass er vom licht der sonne angestrahlt wird, dass er ihr licht zurückwirft zu mir, auf die dunkle seite der erde, die im schatten desselben lichts liegt
er schwebt dort im dunklen blaugrau, überraschend, riesengroß und leuchtend und schön, ein vollkommenes rätsel
ich kann nicht sehen, dass es ein kugeliger körper ist, und ich kann nicht sehen, dass er vom licht der sonne angestrahlt wird, dass er ihr licht zurückwirft zu mir, auf die dunkle seite der erde, die im schatten desselben lichts liegt
er schwebt dort im dunklen blaugrau, überraschend, riesengroß und leuchtend und schön, ein vollkommenes rätsel
Donnerstag, 28. September 2017
Mittwoch, 20. September 2017
ein langer intensiver arbeitstag an der stickmaschine der tu dresden, viele versuche, immer wieder änderungen an den einstellungen, leider ohne lösung,
am abend enden wir damit, dass wir die etwa zehn zeilen, die die maschine gestickt hat, wieder auftrennen, den stoff ausspannen, aufwickeln und einpacken
wir müssen einsehen, dass sich die maschine an dieser stelle von uns nicht bewegen lässt, t. wird die stickdatei so ändern, dass wir dem problem ausweichen können
zwar wußte ich immer, dass die wahrscheinlichkeit für ein umwegloses gelingen der technischen umsetzung an dieser sonst ganz anders und mit anderen materialien genutzten maschine gering ist, dennoch: das scheitern trotz unser aller mühe zu erleben, das ist etwas anderes
wir werden sehen, ob anpassung eine ausreichend gute strategie ist
und: etwas ganz bestimmtes zu wollen, alles darauf anzulegen, ist enorm anstrengend
am abend enden wir damit, dass wir die etwa zehn zeilen, die die maschine gestickt hat, wieder auftrennen, den stoff ausspannen, aufwickeln und einpacken
wir müssen einsehen, dass sich die maschine an dieser stelle von uns nicht bewegen lässt, t. wird die stickdatei so ändern, dass wir dem problem ausweichen können
zwar wußte ich immer, dass die wahrscheinlichkeit für ein umwegloses gelingen der technischen umsetzung an dieser sonst ganz anders und mit anderen materialien genutzten maschine gering ist, dennoch: das scheitern trotz unser aller mühe zu erleben, das ist etwas anderes
wir werden sehen, ob anpassung eine ausreichend gute strategie ist
und: etwas ganz bestimmtes zu wollen, alles darauf anzulegen, ist enorm anstrengend
Samstag, 2. September 2017
gestern wieder ein probesticken am institut für textilmaschinen der tu dresden,
von anfang an die freundlichkeit und neugier der wissenschaftler, die mir sofort zugesagt haben
t. hat mit beharrlichkeit und unfassbarer geduld seit wochen an der stickdatei gearbeitet und wir haben ein ergebnis, das fast nichts zu wünschen übrig lässt
ich bin verblüfft, als ich sehen kann, was ich gesucht habe: räumliche tiefe in der gestickten struktur,
wechsel von der wahrnehmung der realen plastizität zu dem, was sie abbildet, die weiche wollige gestrickte decke, die ich so gut kenne, gleichzeitig ist beides da,
es ist gut!
von anfang an die freundlichkeit und neugier der wissenschaftler, die mir sofort zugesagt haben
t. hat mit beharrlichkeit und unfassbarer geduld seit wochen an der stickdatei gearbeitet und wir haben ein ergebnis, das fast nichts zu wünschen übrig lässt
ich bin verblüfft, als ich sehen kann, was ich gesucht habe: räumliche tiefe in der gestickten struktur,
wechsel von der wahrnehmung der realen plastizität zu dem, was sie abbildet, die weiche wollige gestrickte decke, die ich so gut kenne, gleichzeitig ist beides da,
es ist gut!
Montag, 17. Juli 2017
richerenches
ich gehe am späten nachmittag zum zeichnen in den ort hinein, enge, verwinkelte gassen, treppen, balkone, durchgänge, die alte, wehrhafte anlage der tempelritter, bewohnt von menschen und katzen, ich fühle mich unsicher, suche nach einem platz, von dem aus ich etwas sehen kann und wo ich trotzdem geschützt bin, meinen kasten mit aquarellfarbe möchte ich abstellen und farbe mit wasser anrühren,
ich hocke mich auf eine stufe, gegenüber schließt jemand ein fenster, kurz darauf höre ich die ersten töne einer oboe, ein paar leitern, dann wird die musik immer leichter und freier, jemand freut sich an seinem spiel, solange es dauert, kann ich bleiben, bin ich richtig an diesem ort mit dem, was ich tue, und ich brauche lange, bis ich etwas sehe, bis ich deutlich spüre, was ich erfassen möchte, fast zwei stunden sind wir beide in unsere übung versunken,
ich denke, wenn ich jetzt ein paar tage zeit hätte, dann könnte ich an dieser stelle weitermachen, dann könnte ich an dieser stelle beginnen
ich gehe am späten nachmittag zum zeichnen in den ort hinein, enge, verwinkelte gassen, treppen, balkone, durchgänge, die alte, wehrhafte anlage der tempelritter, bewohnt von menschen und katzen, ich fühle mich unsicher, suche nach einem platz, von dem aus ich etwas sehen kann und wo ich trotzdem geschützt bin, meinen kasten mit aquarellfarbe möchte ich abstellen und farbe mit wasser anrühren,
ich hocke mich auf eine stufe, gegenüber schließt jemand ein fenster, kurz darauf höre ich die ersten töne einer oboe, ein paar leitern, dann wird die musik immer leichter und freier, jemand freut sich an seinem spiel, solange es dauert, kann ich bleiben, bin ich richtig an diesem ort mit dem, was ich tue, und ich brauche lange, bis ich etwas sehe, bis ich deutlich spüre, was ich erfassen möchte, fast zwei stunden sind wir beide in unsere übung versunken,
ich denke, wenn ich jetzt ein paar tage zeit hätte, dann könnte ich an dieser stelle weitermachen, dann könnte ich an dieser stelle beginnen
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