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Freitag, 15. März 2019


Samstag, 19. Januar 2019


Mittwoch, 21. November 2018

auf dem radweg an der elbe steht seit ein paar wochen am morgen und am abend eine schar gänse, nur widerwillig weichen sie mir aus, bilden eine gasse und laufen langsam und schimpfend ins magere gras an den seiten, 
ich sehe ihre großen schweren körper auf den dünnen, leuchtend orangenen beinen, ihr schönes gefieder, unbeschmutzt und unversehrt, in vielen grautönen schimmernd, glänzend, 
wenn es regnet, tragen sie kleine runde wasserperlen auf ihren rücken

Samstag, 10. November 2018


Dienstag, 9. Oktober 2018

im großen garten am morgen liegt eine weiße nebelbank über der wiese, darin sehr klein, sehr fern eine frau, deren seltsame bewegungen mir auffallen, so dass ich genauer hinsehe
sie beugt sich nach unten und taucht ihre hände in das gras, streift mit einer ausladenden bewegung hindurch und dann mit beiden händen über ihr gesicht, wobei sie sich aufrichtet und ein stück geht
sich nach vorn beugt, wieder und wieder, sie wäscht sich mit tau, sie greift in den nebel und verschlingt ihn

Freitag, 14. September 2018


Montag, 10. September 2018


für ein paar minuten auf die unendlichkeit zuschwimmen
ringsum das wasser, seine gekräuselte schimmernde oberfläche, das leichte schwingen, riesig maßlos ohne ende, ich schwinde und schrumpfe darin, ein winziger augenblick in der ewigkeit, das graublaue element ein formloses gleitendes ganzes, 
formlos aber gefasst, denke ich als ich mich umdrehe und zum strand sehe, sofort in das vertraute maß zurückfinde

Dienstag, 4. September 2018


Samstag, 11. August 2018

nach dem schwimmen im freibad liege ich auf den heißen steinstufen in der nachmittagssonne, rufe, schreie, nahe und ferne stimmen, mitten darin bin ich eine insel aus stille

Dienstag, 7. August 2018


Freitag, 29. Juni 2018


Samstag, 9. Juni 2018

abschied von der hüblerstraße
in der hitze des nachmittages habe ich den letzten müll eimer für eimer zu den tonnen getragen, ich mache ganz langsame bewegungen
der weg aus der wohnung die halbe treppe hinunter, aus der haustür hinaus, zweimal rechts, ich kenne seine genaue länge, seine beschaffenheit unter den füßen, das fleischfarbene linoleum der stufen, die schön gemusterten fliesen am eingang, das licht und die wärme, die beim hinaustreten auf mich fallen, die kleinen farbigen steine und die größeren grauen, wenn ich ums haus biege, blind und im schlaf, ich bin der weg, ich bin der ort, er ist ein teil von mir

Dienstag, 29. Mai 2018

am abend in der dämmerung sehe ich vom balkon aus zwischen den kronen zweier bäume eine vom mond beleuchtete kleine haufenwolke, deren form der der dunklen baumkronen vollkommen ähnelt,
ich weiss, dass sie verschiedener kaum sein können und weiter entfernt voneinander, aber es ist nicht das, was ich sehen kann

Samstag, 19. Mai 2018

bern, unter der zytglogge
heute früh ist alles rings um das haus im weißen nebel verschwunden, aber das weiß leuchtet, füllt sich immer mehr mit licht bis die ersten farben erscheinen, ein unendlich zartes blau, unaufhaltsam, die welt entsteht

Samstag, 12. Mai 2018

bern, münsterplattform
mit meinem essen in der hand möchte ich mich auf eine der langen grünen bänke setzen, deren plätze bequem und am mittag im halbschatten der kastanien sehr beliebt sind,
ich bin nicht sicher, wie ich die schwarze frau, die in einer ecke platz genommen hat, grüßen und um ihr einverständnis bitten soll, sie ist etwa in meinem alter, allein, gut gekleidet, aufrecht, ich nicke ihr zu und sie sagt bonjour
später, während ich diese szene notiere, spricht sie mich an, auf französisch zuerst, und als ich signalisiere, dass ich diese sprache nicht verstehe, wechselt sie ins englische, sie bittet mich, auf ihre tasche zu achten, weil sie noch zur toilette gehen will, ihr englisch ist flüssig, leicht und selbstverständlich
no problem
bern
brunnen: wie das licht vom wasser gespiegelt auf dem stein zittert

Donnerstag, 10. Mai 2018

bern
wenn ich am morgen aus der unterführung am bahnhof komme, steht dort an der seite ein mann, dessen alter schwer zu schätzen ist, er sieht arm aus und erschöpft und hält ausgestreckt vor sich eine büchse, er sieht uns an
gestern, als eine frau ihm im vorbeigehen ein geldstück in die büchse wirft, bittet er sie, einen augenblick zu warten, wendet sich um, wo er unter einer bank seine tasche abgestellt hat, aus der er einen kleinen strauß flieder zieht, die frau ist vollkommen überrascht und strahlt 
er hat getauscht
bern
jugendliche, die mit dem bus zur schule unterwegs sind, begrüßen einander mit einer dreifachen geste: einer berührung der handflächen, einer der fäuste und einer dritten bewegung, die an der eigenen brust endet