Dienstag, 19. Dezember 2017

dämmerung, anbruch, übergang
ein flüssiges medium, das die formen anlöst und verbindet

Freitag, 17. November 2017

dämmerung
eben noch das gefühl, dass das licht abnimmt, immer mehr weicht und schwindet, dann das glühen vor meinen fenstern, die dinge leuchten von innen, füllig und warm und mit einer kraft, mit einer anstrengung, die größer ist als die gleichmäßige und unausweichliche helligkeit des tages

Donnerstag, 9. November 2017

atelier, ich hole wasser am waschbecken in der damentoilette, eine frau, patientin der arbeitstherapie, die auf dieser etage ihre räume hat, kommt herein, ein handtäschchen unterm arm, aus dem sie einen kleinen kamm zieht, und vorm spiegel stehend beginnt, ihre rot gefärbten, kurzen haare zu kämmen, sie legt sehr sorgfältig eine welle aus haaren über ihre stirn und holt dann zu meiner verblüffung eine mütze aus ihrer tasche, die sie über den kopf zieht, um danach nocheinmal mit dem kamm die stirnwelle zu richten -
ich muss grinsen, weil mich diese planvolle zuwendung für die eigene äußere erscheinung rührt, und als sie das sieht, strahlt sie mich durch den spiegel an, ich versuche, ihr und mir zu sagen: ja man muss sich immer...aufbauen, so beendet sie meinen steckengebliebenen satz

Sonntag, 5. November 2017

gestern beim absteigen durch den eichenwald oberhalb des weinberges am boden dichtes laub, das durch starken kalten wind den schmalen steinigen pfad hinabgetrieben wird, in den wir schwindelnd unsere füße setzen, rauschen in den bäumen über uns, wir fließen hinab, haltlos, mitgerissen

Freitag, 3. November 2017

als d. gegangen ist, steht der mond nur wenige meter über dem schwarzen elbhang, eine große, runde, gelbe scheibe
ich kann nicht sehen, dass es ein kugeliger körper ist, und ich kann nicht sehen, dass er vom licht der sonne angestrahlt wird, dass er ihr licht zurückwirft zu mir, auf die dunkle seite der erde, die im schatten desselben lichts liegt
er schwebt dort im dunklen blaugrau, überraschend, riesengroß und leuchtend und schön, ein vollkommenes rätsel

Freitag, 27. Oktober 2017

am nachmittag für wenige augenblicke ein großer lichtfleck auf dem gelbgrün gescheckten elbhang vor dunklem himmel, eine projektion, die schatten leichter wolken fließen und flimmern über die hügelkette wie in einem zeitraffer

Mittwoch, 18. Oktober 2017

ich sitze im großen garten in der späten nachmittagssonne auf einer wiese, die ganz mit trockenem laub bedeckt ist; während ich seinem knistern in meinen händen lausche, höre ich von ferne heiseren gesang, melodische laute, ein mann schiebt seine frau im rollstuhl vor sich her, sie sitzt sehr aufrecht und unterbricht ihr singen als ihr mann mich anspricht, alles was er sagt kommentiert sie mit tönen und mit ausladenden bewegungen ihrer arme, beide sehen mich an:
sie ist leider seit sieben jahren der sprache nicht mehr mächtig, aber sie singt so schön, 
solange es hell ist bleiben wir hier drinnen

Montag, 16. Oktober 2017

sonnige warme hersbsttage, als wollten sie mich mit voller wucht trösten: du sollst dich nicht fürchten vor dem verlust
alles, was da ist -kraft, wärme, fülle, schönheit und licht- das alles ist unberührt und unberührbar davon und du bist mitten darin